Kultur statt Konflikt
Die Kulturhauptstadt Europas wird 20 Jahre
Es begann mit einer "rein privaten Idee". Die griechische Kulturministerin Melina Mercouri initiierte vor 20 Jahren eines der erfolgreichsten Projekte der Europäischen Union: die Kulturhauptstadt Europas. Ihr Bruder Spiros Mercouris und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher erinnern sich an den Beginn. Internet und Euro gab es nicht, dafür starre Grenzen zwischen Ost und West. Die Städte selbst wurden zu Litfasssäulen der Kulturen Europas. Inzwischen zeichneten 32 Orte die Vielfalt des Staatenbundes. Athen, die erste Kulturhauptstadt überhaupt, eröffnete ihr Jubeljahr mit der Oper Xerxes von Friedrich Händel. Graz schuf einen "Berg der Erinnerungen". Weimar knabbert heute noch an einem Schuldenberg, machte aber als kleinste Kulturhauptstadt Europas von sich reden und Essen ringt um den Titel für das Jahr 2010. Längst aber drängt sich die Frage auf, ob das Projekt nicht zum alten Eisen gehört. Der eiserne Vorhang ist gefallen und die Kultur gibt sich global. Hält das Modell der Moderne des 21. Jahrhunderts noch stand? Was hat sich bewährt, was muss sich ändern? zu Wort kommen Thanos Mikroutsikos, Komponist und Künstlerischer Leiter der Kulturhauptstadt Patras 2006, und der Programmleiter Alexis Alatsis und Jörn Rüsen, Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.