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Serie - Besser als Sex |
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Swinging Sisters Unter dem Titel "Swinging Sisters" begaben sich vor zehn Jahren eine Handvoll Frauenpaare auf glattes Parkett. Auch Claudia Reger und Dunja Jansen drehen unter diesem Namen ihre Runden und erhoben die "Swinging Sisters" zum Markenzeichen der schwul-lesbischen Tanzszene. Die nächste Hochzeit, auf der die amtierenden Welt- und Europameisterinnen tanzen, ist die von Claudia Reger: Sie eröffnet am 15. November eine Tanzschule für Frauen in Köln. Dort vermittelt das Duo sein Können, das nicht nur aus guten Figuren und schnellen Schritten besteht. "Ich denke, dass wir ein Tanzpaar sind, bei dem was rüber kommt: von der Freude, vom Knistern und von der Leidenschaft, mit der wir beide tanzen." Ein Erfolgsrezept, mit dem Claudia Reger und Dunja Jansen das Parkett erobern. Sie tanzen Wiener Walzer, Tango, Passo Doble. Schritt für Schritt setzen sie Madonna, Tina Turner oder die Carmina Burana in Szene und fallen dabei stets aus der Rolle. Die eine führt, die andere folgt. Dann wird getauscht. Die beiden Tänzerinnen üben bei ihrer Trainerin in Amsterdam, drehen Runden in angemieteten Sälen in Köln und entwerfen Schrittfolgen im Wohnzimmer. Zwischen Couch, Computer und Zimmerpflanzen feilen sie an ihren Figuren, sammeln Ideen für neue Choreographien, verwerfen sie wieder. Während In-Grid auf einen Tango Französisch singt, suchen die "Swinging Sisters" die passende Pose. "Mach nochmal dieses Sandwich von unten. Nein, wir sind falsch in der Musik." Beide lachen, spulen die Kassette zurück und fangen von vorn an. So geht es vor jeder Show, jedem Turnier. Aber genau das Training ist es, was Dunja Jansen Spaß macht. Turniere dagegen seien Stress pur. Außer das Kostümieren. "Man kann von den Anziehsachen her was Gewagtes ausprobieren und man kann sich ein bisschen schmücken." Unzählige Kostüme entstanden unter den Händen der gelernten Bauzeichnerin. Für ihre Partnerin Claudia Reger dagegen ist das Schmücken eher eine Qual. Es ist immer wieder das gleiche Ritual: Fingernägel lackieren, Haare stylen, Lippen und Gesicht schminken. "Die Leute sehen mich nur aus der Entfernung und ich muss einen Ausdruck ins Gesicht legen. Ich muss einen Ausdruck mit den Händen schaffen. Sie fallen einfach mehr auf, wenn sie geschminkt sind. Aber da kann ich schon auch fluchen." |
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Steht die Maske, sieht sie dem Turnier gelassen entgegen. Es sei eine Chance, andere Paare zu erleben und sich auszutauschen. Außerdem stehen die beiden 33Jährigen stets auf dem Siegerpodest. Sie ertanzten viele Trophäen, gewannen Preise und Titel. Die höchsten Ehren errang das Paar als "Couple 96" auf den letzten Gay Games vor einem Jahr, der Olympiade der Schwulen und Lesben. Dreimal Gold brachten sie aus dem australischen Sydney nach Köln. |
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Angefangen hat es vor fünf Jahren. Claudia Reger tanzte bei den "Swinging Sisters" im Schwulen- und Lesbenzentrum in Köln: zuerst als Schülerin, später als Lehrerin. Dort traf sie auf ihre jetzige Tanzpartnerin. Für Dunja Jansen war es die erste Erfahrung, dem gleichen Geschlecht zu folgen. Sie gab ihre langjährige Karriere im konventionellen Turniertanz auf und entschied sich für eine Frau. "Mir ist die Heteroszene auf die Nerven gegangen. Das hat mit sehr viel Politik zu tun und die Art des Tanzens hat mich nicht mehr inspiriert." Mit einer Frau fühle es sich anders an. "Wenn ich mit einer Frau tanze und die ihre weichen Bewegungen zum Einsatz bringt, kann ich mich da besser anpassen." Allerdings folgt Dunja Jansen nicht immer. Vor allem in lateinamerikanischen Tänzen geben die beiden Frauen ihre Rollen auf und wechseln die Führung. Für die Jury ist das "Equality Dancing" eine große Herausforderung. Werten darf nur, wer im heterosexuellen Tanz aktiv ist. Dort wird kaum aus der Rolle gefallen. "Die Wertungsrichterinnen und Wertungsrichter haben in den Köpfen führende Männer und folgende Frauen. Die führende Rolle steht dominant und maskulin da und der Gegenpart, also die weibliche Rolle, steht ein bisschen weich biegsam da dran." Für Claudia Reger ist klar: Neue Ideen und Definitionen müssen her. Seit langem kreiert sie Posen und Figuren, die sie tanzbegeisterten Frauen weiter gibt, mit und ohne Rollentausch. Auch das Lehren ist eine Leidenschaft: "Ich kann mir neue Schritte ausdenken und vor Publikum reden."Mit dem Paartanz setzten die "Swinging Sisters" einen Trend. Noch vor wenigen Jahren begegneten ihnen selbst Freundinnen mit Skepsis. Claudia Reger kann sich noch gut an lange Diskussionen erinnern. Allein schon die Kleidung war Stein des Anstoßes. Röcke waren out. Bis Alles ganz anders kam: "Wir tanzten auf hohen Schühchen und extrem kurzen Röckchen, um die Weibchenrolle zu verkörpern." Inzwischen ist auch der Girli-Lock vorbei. Tango, Cha Cha Cha und Quickstep sind bei den Lesben nicht mehr verpönt. Im Gegenteil: "Frauen treffen und den Körper zur Musik bewegen. Das gefällt vielen." Ihren Erfolg haben die beiden Tänzerinnen hart erarbeitet. Vorbilder gab es nicht. Sie waren auf sich und ihren Einfallsreichtum allein gestellt. Jetzt gehören die "Swinging sisters" zu den ersten Frauenpaaren, die es in die höchste Turnierklasse geschafft haben. Regelmäßig treffen sie sich auf dem Parkett. Wichtig ist, dass das Einstudierte leicht aussieht. "Das ist richtig anstrengend. Wenn wir da so eine Endrunde tanzen, das heißt, alle fünf Tänze hintereinander, das ist wie fünfmal so ein Tausend Meter Sprint." Und doch sind Claudia Reger und Dunja Jansen ihrem Sport verfallen. Auch wenn sie im Wohnzimmer zwischen Computer, Fernseher und Couch zum x-ten Mal dieselbe Musik hören, alte Ideen verwerfen und neue Posen probieren. Wenn sie in langen Nächten Kostüme nähen und glitzernde Glassteine auf schwarze Seide kleben. Am Ende tanzen sie als strahlendes Paar im Rampenlicht des Ballroom. "Es ist erotisch", so Claudia Reger: "Unsere Trainerin sagt immer, manche Tanzpositionen: das ist besser als Sex. Das ist auch wirklich so ein ähnlich aufregendes Gefühl."
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Früher Demos, heute Bälle. Interview mit Katharina Eberstein In Berlin unterrichtet Katharina Eberstein Frauen seit sieben Jahren Salsa, Standard- und Lateintänze. 1989 kam die Pädagogin selbst tanzend in die Szene. Ihr Coming Out feierte sie im Rhythmus von Walzer, Foxtrott und Tango. Inzwischen hat die 38Jährige eigene Kurse, in denen Frauen führen und folgen. ? Welchen Stellenwert hat der Paartanz in der lesbischen Szene? ! Einen großen. Es gibt eine eigene lesbische Szene des Tanzens. Manchmal kommt's mir fast wie eine Glaubensgemeinschaft vor, im positiven Sinne. Wir sind sieben Tanzlehrerinnen, die nur Frauen unterrichten. Dann gibt es die schwul-lesbische Tanzszene und es gibt viele alternative gemischte Tanzschulen, die alle auch von Lesben besucht werden. ? War das früher anders? ! Auf jeden Fall. Für mich hat der Tanzboom eine politische Zeit abgelöst. Früher trafen wir uns auf Demos und jetzt treffen wir uns auf Bällen. Das finde ich auch schade, denn ich bin so eine Altfeministin. Ich vermisse die politischen Aktivitäten. Aber das Bedürfnis, etwas zusammen zu tun, das ist geblieben.
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| ? Schließt es sich aus, auf Demos zu gehen und gleichzeitig Bälle zu besuchen? ! Nein, es gibt viele politisch aktive Tänzerinnen. Meine Arbeit als Tanzlehrerin begreife ich auch als politisch. Es geht darum, Frauen zu stärken, Lesben zu stärken, Lesben zusammen zu bringen, eine eigene Kultur zu entwickeln. ? Ist es schwer, den Lebensunterhalt damit zu verdienen? ! Ich habe keine eigenen Räume. Von daher habe ich nicht so ein finanzielles Risiko. ? Hast Du daran gedacht, einen eigenen Tanzsaal für Frauen einzurichten? ! Das würde sich nicht tragen. Dafür gibt es in Berlin neben anderen Frauentanzkursen zu viele schwul-lesbische und gemischte Tanzschulen. | |||||||||||||||
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? Ist es schwer, Lesben das Tanzen beizubringen? ! Man braucht Geduld und einen langen Atem. Jede hat ihre Stärken und Schwächen ganz woanders. Das ist für mich die große Herausforderung. Das liebe ich sehr. Im Vergleich zu Männern lernen Frauen sehr viel leichter. Deshalb quälen sich die Heterofrauen immer mit ihren Männern. Die erstens keine Lust haben und zweitens sich auch noch blöd anstellen.? Die Männer sind wiederum die Erfolgreicheren in den Turnieren. ! Männer sind in der Regel leistungsorientierter. Außerdem knüpfen viele Schwule an alte Turniererfahrungen. Lesben dagegen, die heute Turnier tanzen, haben viel seltener eine Turniergeschichte und müssen sie als erwachsene Frauen erst aufholen. Insofern tut es mir in der Seele weh, wenn Frauenpaare gegen Männerpaare antreten. Ich würde lieber getrennte Turniere bevorzugen, weil es ungleiche Startbedingungen sind. Außerdem sind Selbstdarstellung und Selbstbewusstsein die Basis beim Turniertanzen. Und das ist nun mal in unserer Gesellschaft für Frauen nicht einfach zu sagen: Seht mich an - ich bin sexy, ich bin stark, ich bin saugut. Ich bin überhaupt die Beste - Das ist natürlich mit schwuler Identität leichter. ? Trainierst du Turnierpaare? ! Nein, für mich ist das Wichtigste der Rollenwechsel und das Tanzen mit verschiedenen Partnerinnen. Im Grunde ist es fast wie Kreistanz oder Volkstanz. Ich integriere solche Elemente in die Paartanzkurse und unterrichte viel im Kreis. Das ist im Turnier nicht möglich. Da musst du dich auf eine Partnerin festlegen, mit dieser Frau trainieren und viel Geld investieren. ? Das heißt, in Deinen Kursen wird nicht nur die Rolle der Führenden und Folgenden gewechselt, sondern auch die Partnerin. ! Ja, In der Regel fordere ich so alle zehn, zwanzig Minuten auf, zu wechseln. Man beißt sich fest und man streitet sich mit der Lieblingspartnerin, die vielleicht auch noch die Lebensgefährtin ist. Dann gehst du zu anderen und plötzlich klappt es. ? Habt ihr durch das "Equality Dancing", also den Führungswechsel, Lesben für den Gesellschaftstanz begeistern können, indem Ihr gesagt habt: Wir kopieren nicht die heterosexuellen Paarmuster, sondern wir probieren was Neues? ! Am Anfang ja. Für mich war es damals auch ein großer Reiz, dass ich gleich beide Rollen ausprobieren konnte. Aber die Einstellung hat sich in den letzten Jahren verändert. Viele kommen mit fester Partnerin und der konservativen Vorstellung einer festen Rolle, so dass ich manchmal in den Kursen erst die Lust zum Rollentausch wecken muss. Meistens gelingt mir das auch. ? Kannst Du Dir diese konservative Haltung erklären? ! Ich glaube, bei Kursen in konventionellen Tanzschulen erlernen Frauen nur eine Rolle. Die gemischten Tanzschulen, die seit rund 15 Jahren in Berlin auch gleichgeschlechtlichen Paaren ein lockeres Klima und schönes Ambiente bieten, haben Frauen aus den Frauentanzkursen abgezogen. Unsere Kurse fanden immer in einem einfacheren Umfeld statt: in Frauenzentren, Jugendzentren, Schulen, Aulen. Die gemischten Tanzschulen lockten mit schicken und großen Räumen. Für uns Lehrerinnen sind sie eine große Konkurrenz. Dort ist es natürlich üblich, in einer Rolle zu bleiben. Der Führungswechsel wird weder unterstützt noch angeregt. Wenn Frauen zu mir wechseln, dann haben sie keine Lust von Null wieder anzufangen. ? Welche Rolle nimmst du denn am liebsten ein? ! Ich führe lieber. Das liegt mir ein bisschen mehr, die Sache in der Hand zu haben und zu entscheiden. Aber wenn das Niveau ähnlich ist oder wenn es eine enge Freundin ist, lasse ich mich auch gerne führen.
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? Und sich dann auch noch in die Lehrerin verlieben. ! Ja, das ist natürlich eine heikle Sache. Einmal hat sich eine Frau in mich verliebt und ich mich in sie. Aber ich habe den Eindruck, dadurch, dass ich viel Erfahrung durch meine Arbeit im sozialen Bereich gesammelt habe, kann ich professionell freundlich sein. Natürlich verliebt man sich gern in Lehrerinnen, das kenne ich ja selber. Und ich glaube, das ist auch förderlich, so ein bisschen zu schwärmen. Das fördert den eigenen Lernprozess, wenn es nicht soweit kommt, dass man sich unglücklich verliebt. Das ist natürlich schlimm. |
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? Hast du einen Lieblingstanz? ! Salsa. Ich liebe die Musik. Sie ist einfach unheimlich fröhlich und spritzig und witzig und auch romantisch zugleich. Die Tanzbewegungen sind so weich. Dabei kommen meine beiden Leidenschaften zusammen: Tanzen zu zweit, das ist nah und "flirtig". Und in einer Gruppe sein, den Kontakt mit einer Gruppe im Kreis haben.
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